Pressestimmen


OSTSEE-ZEITUNG, 17.09.2021

Trotz Corona: Darß-Festspiele beenden erfolgreiche Spielzeit

 

Zu den 31 Aufführungen des Stücks „Die Heiden von Kummerow – Martin der Gerechte“ kamen trotz der durch die Pandemie bedingten Einschränkungen rund 6000 Zuschauer. Für das kommende Jahr schmiedet das Ensemble große Pläne.

 

Die letzte Vorstellung in diesem Jahr ist längst gegeben, der Dreschkasten, der prominent auf der Naturbühne in Born stand, ist wieder im Freilichtmuseum und Bilanz haben die Verantwortlichen der Darß-Festspiele gezogen. „Unter den gegebenen Umständen war es eine erfolgreiche Spielzeit“, sagt Intendant und Vorsitzender des Festspielvereins, Holger Schulze. „Ich bin sehr froh und zufrieden“, und spricht dem 15-köpfigen Ensemble ein dickes Lob aus.

 

Um die 6000 Zuschauerinnen und Zuschauer haben in den vergangenen Monaten die Episode „Die Heiden von Kummerow – Martin der Gerechte“ erlebt. Das ist trotz der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie immer noch rund doppelt so viel Publikum wie im Jahr davor, als noch härtere Beschränkungen galten. Da durften maximal 85 Personen in den Zuschauerreihen Platz nehmen, in diesem Jahr schwankte die Zahl zwischen 150 und 170 Zuschauern. Möglich war das durch ein neues Ticketsystem, mit dem sich benachbarte Plätze automatisch sperren ließen, um Abstände zu wahren. Insgesamt waren während der beendeten Spielzeit 31 Vorstellungen gegeben, dazu erfolgten drei Gastspiele – ein Konzert mit Gerhard Schöne, ein aktuelles Kabarettprogramm der Leipziger Pfeffermühle sowie die Vorführung eines Naturfilms.

 

 

Qualität des Stücks sorgte für Erfolg

 

Dabei hatte Holger Schulze noch kurz vor der Premiere arge Bedenken. Im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie gab es da noch keine eindeutigen Vorgaben. Am liebsten hätte er die Eröffnungsvorstellung verschoben. Das ging aber nicht, die Premiere war ausverkauft. Dafür strich der Intendant die nächsten beiden Aufführungen. Dann kam die Erleichterung, die Besucher brauchten keinen negativen Test vorweisen, auch musste am Platz keine Maske getragen werden. Beides, ist Holger Schulze überzeugt, hätte Zuschauer gekostet. Vorbereitet waren die Darß-Festspiele dennoch. So war vorsorglich ein Testzentrum angemeldet worden, das dann aber gar nicht gebraucht wurde.

 

 

Besonders aber sieht Holger Schulze die Qualität des Stücks für den Erfolg verantwortlich. Anders als in den Vorjahren hat es sich dieses Mal um eine durcherzählte Geschichte gehandelt, nicht um eine szenische Folge. „Da war viel mehr Schauspiel drin“, so der Intendant. „Das hat getragen“ – und das ist beim Publikum durchweg gut angekommen, hat Holger Schulze beobachtet. Und nicht zuletzt hat es sich bei „Martin der Gerechte“ nicht um eine infolge der Corona-Einschränkungen abgespeckte Version, sondern um ein vollwertiges Stück gehandelt. Im Jahr davor wurden nur einzelne Szenen vorgetragen und Aufzeichnungen von früheren Aufführung gezeigt.

 

 

„Die Heiden von Kummerow – Der Freischütz“ für 2022 geplant

 

Im dritten Anlauf soll im kommenden Jahr dann endlich das Stück „Die Heiden von Kummerow – Der Freischütz“ auf die Bühne gebracht werden. Für Holger Schulze ist der „Freischütz“ das schönste Kapitel des Romans „Die Gerechten von Kummerow“. Bereits im Jahr 2020 wollte der Festspielintendant mit dem Stück eine neue Zeitrechnung für die Darß-Festspiel einläuten. So war beispielsweise Live-Musik geplant, ein Chor sollte einen Auftritt haben. Problem ist, dass es das Jugendblasorchester wie vor der Corona-Pandemie derzeit gar nicht mehr gibt, hat Holger Schulze nach einer Kontaktaufnahme zu den Musikern erfahren. Unabhängig davon, ob es auch im kommenden Jahr Einschränkungen aufgrund der Pandemie geben wird, plant Holger Schulze so, als wäre die Situation wieder normal.

 

Doch Holger Schulze möchte noch mehr, als nur Theater spielen. So sollen mit dem Projekt „Stand up – snack platt“ Jugendliche ans Plattdeutsch herangeführt werden. Geschehen soll das genreübergreifend. Da werden also nicht nur Texte gelesen und vorgetragen, da wird auch getanzt und gesungen. Und einen ganz praktischen Nutzen hat das Üben auch. Wenn die jungen Plattsnacker eine Rolle in einem Stück haben möchten, müssen sie ja das Stichwort verstehen, wann sie auftreten sollen.

 

Von Timo Richter


OSTSEE-ZEITUNG, 28.06.2021

Kinder sind die Stars: Warum sich das neue Stück der Borner Darß-Festspiele lohnt

 

Auf der Freilichtbühne in Born gibt es in diesem Jahr endlich wieder ein neues Stück der „Heiden von Kummerow“. Das Ensemble um Intendant Holger Schulze pflegt mit der Serie nicht nur die plattdeutsche Sprache, sondern strapaziert auch kräftig die Lachmuskeln der Zuschauer. Die OZ war bei der Premiere von „Martin der Gerechte“ mit dabei.

 

Eins ist gewiss: Zur Premiere des Stückes „Die Heiden von Kummerow“ am Freitagabend waren die Dichter Fritz Reuter, Klaus Groth, Rudolf Tarnow und Martha Müller-Grählert auch irgendwie dabei. Sie högten sich bannig, dass in Born bei den Darß-Festspielen die plattdeutsche Sprache gepflegt wird. Und das nun schon seit 2013. Von einer Corona-Pandemie wussten sie damals noch nichts. Zu ihren Lebzeiten gab es andere Seuchen, die Menschen krank machten und dahinrafften. Nun ist es dem Intendanten und Regisseur Holger Schulze trotz widriger Umstände erneut geglückt, ein Stück auf die Bühne zu bringen, das sich sehen lassen kann. „Martin der Gerechte“ steht in diesem Sommer auf dem Spielplan.

 

Ihn verkörpert in der ersten Spielsaison der Borner Gregor Mau, noch zehn Jahre jung. „Nah den‘ n Heiligen St. Martin mit den‘ n zerschnädenen Mantel und den’n Martin ut Wittenbarg ward ick de drüde grote Martin sien“, verkündet er lauthals auf einer Bank stehend. Ein hehres Ziel!

 

 

Geschwister auf der Bühne

 

Sein Gefährte ist Bruder Alexander (13). Doch der mimt den etwas merkantilen Johannes Bärensprung aus dem Armenhaus, in Flickenbüx, immer hungrig und im wahren Leben ebenso klug wie sein jüngerer Bruder. Und wieder ist Ulrike dabei. Die Pastorentochter spielt die zarte Madita (10) von Klitzing aus Zingst. Erstmalig auf der Bühne tritt sie nun in die Fußstapfen ihrer älteren Schwester Lilly. Sie startete 2013 mit einer Jungenrolle, gab danach die Komtesse Charlotte und war im Januar dieses Jahres in der dritten Staffel der TV-Serie „Charité“ in einer Hauptrolle als Leistungsturnerin in einer atemberaubenden Szene zu sehen.

 

Ohne viel Action agieren die drei Kinder gekonnt mit Mimik und Gestik so, als wäre die Freilichtbühne ihr eigentliches Zuhause. Von hohen Laubbäumen umgeben, in denen fröhlich zahlreiche Vögel ihr Abendlied singen, geht es im Stück auch um Bäume. Die Naturbühne gibt sich zauberhaft. In der Mitte steht ein alter Dreschkasten, dahinter die Mühle. An der Erntekrone wehen blau-weiße Bänder, und die Kirche befindet sich zum Glück noch im Dorf, auch wenn die meisten Einheimischen sie schonen, denn sie gehen da nicht hinein.

 

 

Worum es geht

 

Aber Pastor Breithaupt kommt mit einem Akkordeon heraus. Bereits seit 2013 spielt Heribert Gietz „mit Lust und Freude“ den Pastor Breithaupt und nun auch noch den hitzigen Händler Adam Rodewald. Der gehört zur Gemeinde der Erhellten und verkündet als falscher Prophet Dinge, an die er sich selbst nicht hält. Er bezeichnet Fleischessen als Sünde, isst heimlich Schlackwurst und Schinkenstullen und trinkt Alkohol. Wie Johannes und Martin dem heuchlerischen Sektenprediger auf die Spur kommen, zeigt die Geschichte.

 

 

 

Dirk Möller mimt Gottlieb Grambauer. „Ich bin ein Homo ludens, ein spielender Mensch.“ Mit seiner Frau Auguste (Doris Pagel) scheint er nicht gesegnet zu sein. Grambauer liefert eine anrührende Szene vor dem alten Katen, spielt sogar „Dat du min Leevsten büst“ auf der Mundharmonika für sie. Doch die kaltschnäuzige Frau reagiert mit Koppweihdaach und begegnet dem Bauern Trebbin (Jörg Burmeister), der wie sie von Kindheit an Plattdeutsch spricht, nicht gastlich. Auguste gerät mit Sonja Hahm als Adele Kienbaum in ein Wortgefecht, das die Lachmuskeln bewegt. Kleine Accessoires wie die als Kalit bezeichneten Essenkörbe, das alte Fahrrad, mit dem Hartmut Dobecki als Apotheker vorfährt, sowie die Kledage der Akteure versetzen die Zuschauer in eine beinahe romantisierende Zeit, wenn da nicht die Armut wäre.

 

 

Bekannte Gesichter

 

Mimte Helge Koch über Jahre den von den Dorfkindern geliebten und von der Gemeinde ausgenutzten Kuhhirten, erscheint er nun humpelnd als Opa Bärensprung mit einer uralten Trompete, aus der er keinen Ton herausbringt. So kann er auch nicht blasen, als der Feuerteufel im Dorf unterwegs ist. Doch gibt es ja den Brandschutzmeister Gerd Scharmberg, der als Krug-Wirt und Dorfschulze alle Einwohner im Griff hat, sei es zuerst auch nur mit dem Pinkelpott. Die schlauen Kinder sind dem Brandstifter ganz nahe. Am Ende waltet Niklas Ziemann als Unterwachtmeister Kaspar Mauser seines Amtes.

 

So kann es sich zugetragen haben, wie es der Schriftsteller Ehm Welk (1884-1966) zwischen den beiden Weltkriegen formuliert und Holger Schulze bühnenreif gemacht hat: Mit seiner treuen Produktionsleiterin Sylvia Karow, die zum 10. Mal alle Fäden in der Hand hält, mit Maskenbildnerin Beate Hentschel und Stephanie Muche, verantwortlich für Marketing und Vertrieb. Im Hintergrund sorgt Wilfried Gabbert für Licht und für treffliche Töne. Die dankbaren Zuschauer klatschten, johlten und pfiffen vor Vergnügen. Mit voller Kehle sangen alle das Lied von Herrn Pastor sien Kauh.

 

Der Rostocker Volker Helm, ehemals Müller, sah mit seiner Großfamilie in den letzten Jahren alles, was es in Plattdeutsch gab. Er sagte: „Dat is dat Best, wat wie hier boben hemm‘.“

 

Theater: Darß-Festspiele, „Martin der Gerechte“, bis zum 3. September 2021, Freilichtbühne Born, Telefon: 038234-55812. Nächste Vorstellung: 02. Juli um 20 Uhr, hochdeutsch.

 

Von Elke Erdmann


OSTSEE-ZEITUNG; 21.06.2021

Endlich wieder Kultur: So starten die Darß-Festspiele in die neue Spielzeit

 

Trotz Corona-Einschränkungen feiert das Stück „Martin der Gerechte“ am Freitag Premiere. Weil nur ein Teil der Sitzplätze verkauft werden kann, fürchtet Intendant Holger Schulze einen finanziellen Engpass. So steuert er gegen.

 

Ein Neustart mit Unsicherheit: Nach den Lockerungen infolge geringerer Ansteckungszahlen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie will der Intendant der Darß-Festspiele, Holger Schulze, durchstarten. Die neue Episode der Heiden von Kummerow feiert am Freitag, 25. Juni, Premiere auf der Naturbühne in Born. Eine Testpflicht besteht nicht, am Sitzplatz selbst müssen die Besucher keine Maske tragen.

 

Laut Holger Schulze sind das schon einmal zwei Faktoren, die den Besuch des Stücks „Martin der Gerechte“ viel angenehmer machen. Weiterhin wird es aber Abstandsregeln geben.

 

Finanziell wird es eng

 

Das hat natürlich Auswirkungen. Längst nicht alle Plätze auf den Zuschauerrängen können verkauft werden. Wie viele Plätze am Ende besetzt werden dürfen, wird sich erst kurz vor der Premiere herausstellen. Selbst wenn die auf 100 reduzierten Plätze während der Spielzeit gut belegt sind, wird des finanziell gesehen „sehr, sehr eng“, sagt der Theatermacher.

 

 

 

Gegengesteuert hat Holger Schulze mit einem Zurückfahren aufwendiger Effekte. Auch beim Einsatz von Material und Technik will der Intendant Zurückhaltung üben. Damit rückt der schauspielerische Aspekt wieder in den Vordergrund.

 

„Rückkehr zu alten Qualitäten“

 

Das bezeichnet der Vorsitzende des Festspiel-Vereins als „Rückkehr zu alten Qualitäten“. Mit „Martin der Gerechte“ sei ein sehr gutes Stück am Start. Im Gegensatz zu früheren Aufführungen, die zuweilen eher als Aneinanderreihung einzelner Episoden daherkamen, wird in diesem Jahr eine durchgehende Geschichte erzählt, betont Holger Schulze. Die Vorlagen aus dem Roman von Ehm Welk hat er auf die Region umgemünzt. Weil er Anfang dieses Jahres noch an dem Stück geschrieben hat, konnten auch aktuelle Entwicklungen auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst in die Handlung „eingebaut“ werden. Das Publikum dürfe sich auf spannende Theaterabende freuen. Der Intendant selbst empfindet „Martin der Gerechte“ als eine seiner schönsten Ehm-Welk-Inszenierungen. Ursprünglich sollte die Inszenierung in der Spielzeit 2022 gezeigt werden.

 

 

 

Im vergangenen Jahr sollte mit dem „Freischütz“ ein großer Wurf gelingen. Das aufwendige Stück, sogar Live-Musik war geplant, wurde dann aber aufgrund der Corona-Pandemie gekippt. Stattdessen wurden den Zuschauern einzelne Szenen dargeboten. Außerdem gab es frühere Vorstellungen auf einem großen Bildschirm zu sehen. In diesem Jahr treten die Akteure – sämtliche Kollegen und die mitwirkenden Kinder werden alle zwei Tage auf eine Infektion mit dem Coronavirus getestet – „in einer halbgewalkten coronabestimmten Inszenierung auf, wie Holger Schulze sagt. Der Freischütz soll dann in der kommenden Spielzeit auf die Bühne kommen.

 

Vorverkauf stieg sprunghaft an

 

In der Adaption geht es um Martin Grambauer, der sich neben seinen Namensvettern, dem Heiligen Martin und Martin Luther, als dritten Großen Martin in der Geschichte wähnt. Auf seinem Weg zum „Ritter der Gerechtigkeit“ werden ihm laut Holger Schulze einige Steine in den Weg gelegt. Mit von der Partie sind wieder die aus den Vorjahren bekannten Figuren wie der Pastor, der Dorfschulze oder Auguste. „Ganz sicher werden die Lachmuskeln der

 

Der Vorverkauf hat schon vor längerer Zeit begonnen, aber gerade in den vergangenen Tagen verzeichnet Holger Schulze einen geradezu sprunghaften Anstieg der Buchungen. Vorwiegend werden die Karten über das Internet verkauft, sie sind aber auch in den Tourist-Informationen auf der Halbinsel erhältlich. An der Abendkasse könne es noch Restkarten geben, das aber sei nicht sicher.

 

Neues Ticketsystem

 

Mit dem neuen Ticketsystem können Plätze automatisch gesperrt werden, um Abstandsregeln einhalten zu können. Sie können aber auch wieder freigegeben werden, sollten sich Regelungen im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus ändern.

 

von Timo Richter

 


OSTSEE-ZEITUNG, 30.01.2021

Von den Darß-Festspielen zur ARD

Hauptrolle in TV-Serie „Charité“: Diese Zingsterin kennt jetzt ein Millionenpublikum

 

Lilly von Klitzing hatte in dieser Woche ihren großen Auftritt. In der finalen Folge der dritten Staffel der ARD-Serie „Charité“ spielte die Zingsterin eine Hauptrolle. 5,31 Millionen Menschen sahen am Dienstag zu. Der Beginn einer großen Karriere? Nicht unbedingt,

 

Die Geschichte des wohl renommiertesten Krankenhauses Deutschlands, Stars wie Uwe Ochsenknecht oder Nina Gummich, mehr als fünf Millionen Zuschauer am Fernsehgerät: Und mittendrin eine Zingsterin. Die TV-Serie „Charité“ gehört wohl zu den derzeit erfolgreichsten Produktionen der ARD. In dieser Woche ging die dritte Staffel zu Ende. Lilly von Klitzing spielte in der letzten Folge eine Hauptrolle. Am Dienstagabend wurde die Folge ausgestrahlt.

 

„Es ist schon ein bisschen komisch, sich selbst im TV zu sehen“, sagt die 19-Jährige. Bereits am 5. Januar, als die Folge in der ARD-Mediathek im Internet veröffentlicht wurde, hatte sie sich die Episode mit ihrem Freund und ihrer Tante angeschaut. „Ich war total aufgeregt.“ In der Mediathek wurde die 3. Staffel der Serie mehr als acht Millionen Mal aufgerufen.

 

 Ein durchaus großes Publikum, das die 19-Jährige in Aktion sah. Nach der Ausstrahlung in dieser Woche stand ihr Handy kaum noch still. Zur Freude der jungen Schauspielerin: „Es haben sich Leute gemeldet, von denen ich ewig nichts mehr gehört habe.“

 

Lilly von Klitzing spielte in der finalen Folge der Staffel das Mädchen Katharina, eine Weltklasse-Turnerin aus Westdeutschland, die in der Berliner Charité in der DDR behandelt wird. Zweimal reiste von Klitzing zur Vorbereitung zum Set. Fünf Drehtage waren für die Zingsterin bei ihrem dritten Besuch vorgesehen. „Es war sehr schön. Die Leute waren unglaublich. So viele tolle Menschen, die das mit Liebe, Leidenschaft und Ehrgeiz machen. Und niemand war irgendwie abgehoben.“

 

Die Szenen wurden in Tschechien gedreht. Und so ganz ungefährlich waren die Dreharbeiten für Lilly von Klitzing nicht. In einer Szene musste sie auf einem Geländer oberhalb einer Treppe Turnübungen machen. „Ich war zwar mit einem Gürtel gesichert. Aber meine Hand und mein Fuß waren trotzdem direkt an der Kante“, erinnert sich die 19-Jährige.

 

Glücklicherweise hat von Klitzing in ihrer Kindheit in der Region das nötige Rüstzeug für die Rolle beziehungsweise diese Szene bekommen – und zwar beim PSV Ribnitz-Damgarten. 2001 wurde Lilly von Klitzing in Gera geboren. 2004 zog ihre Mutter von dort aus nach Zingst. Von ihrem 7. bis 14. Lebensjahr war Lilly von Klitzing, die die Freie Schule Prerow besuchte, in der Turnabteilung des PSV aktiv, betreut von Trainerin Ingrid Pitschner. „Eine ganz tolle Frau“, erinnert sich die 19-Jährige.

 

Eine Zeit lang musste sie allerdings auf das Turnen verzichten. Mit 14 wechselte Lilly von Klitzing auf die Landesschule Pforta, ein Internat in Naumburg in Sachsen-Anhalt. Dort verletzte sie sich schwer. Nach ihrem Umzug nach Greifswald, hier hat sie vor etwa einem Jahr eine Ausbildung zur Krankenschwester begonnen, habe sie mit dem Turnen wieder begonnen.

 

Ihre ersten Schritte in der Schauspielerei hat von Klitzing ebenfalls in der Region gemacht. Bereits mit zehn Jahren stand sie erstmals vor der Kamera, und zwar in einer kleinen Rolle für einen Krimi, der in Wustrow gedreht wurde.

 

„Richtig angefangen hat es aber mit den ‚Heiden von Kummerow‘“, sagt Lilly von Klitzing. Das alljährliche Kinder-Casting für die Darß-Festspiele hatte sie zwar verpasst, beworben hat sie sich trotzdem. Weil alle Mädchenrollen bereits besetzt waren, übernahm von Klitzing in ihrem ersten Jahr bei den Darß-Festspielen eine Jungenrolle. Zwei Jahre gehörte sie zum Ensemble der „Heiden von Kummerow“. „Es war anstrengend, aber die Auftritte haben so viel Spaß gemacht“, erinnert sie sich.

 

Doch wie kommt man von der Open-Air-Bühne auf dem Darß ins Fernsehen? „Ich habe mich einfach beworben“, sagt Lilly von Klitzing. Und zwar bei einer Künstleragentur. Unter anderem musste sie dafür ein Bewerbungsvideo drehen, in dem sie mehrere Szenen spielte. „Ich war überglücklich, als der Anruf der Agentur kam, dass ich dabei bin.“

 

Von Robert Niemeyer