Presse


OSTSEE-ZEITUNG, 2. September 2017

Knapp 10 000 Besucher bei Darß-Festspiele

Die „Heiden von Kummerow 5 – Krischan und die gekaufte Braut“ erlebten gestern in Born die letzte Aufführung


OSTSEE-ZEITUNG, 11. August 2017

Krischans Traum von der eigenen Hochzeit

In der fünften Episode der „Heiden von Kummerow“ kehrt der Kuhhirte zurück ins Dorf und möchte heiraten. Bennit Schulz spielt bei den Darß Festspielen in Born die Kinder-Hauptrolle

Born. Noch eine Stunde bis zum Beginn der Aufführung „Die Heiden von Kummerow 5 – Krischan und die gekaufte Braut“. Die ersten Besucher sind auf dem Gelände der Darß

Festspiele in Born angekommen. Gespannt nehmen sie ihre Plätze ein.

Gleichzeitig läuft Bennit Schulz mit einer großen Tasche bepackt zügig in Richtung Bühne. „Wir hatten etwas Stau“, erklärt der 13-Jährige. „Drei Stunden hat die Fahrt gedauert.“ Der Schauspieler aus Dömitz (Ludwigslust-Parchim) spielt die Kinder-Hauptrolle Martin Grambauer. „Keine Panik, in zehn Minuten bin ich umgezogen“, sagt der Junge.

Die 210 Kilometer, die Born von seiner Heimatstadt an der Grenze zu Niedersachsen entfernt ist, nimmt der Siebtklässler mehrmals die Woche in Kauf: „Das Schauspielern macht mir Spaß und die Leute sind mir ans Herz gewachsen“, erklärt er.

Seit 2013 inszeniert das Freilichttheater auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst die Geschichte der „Heiden“, die auf dem 1937 erschienenen Roman von Ehm Welk (1884-1966) basiert. Bekanntheit erlangte das Werk vor allem durch die Defa-Verfilmung von 1967 mit dem Berliner Schauspieler Ralf Wolter, der unter anderem auch bei „Winnetou“ mitspielte.

„Die Handlung der ,Heiden von Kummerow’ spielt in einem pommerschen Dorf vor dem Ersten Weltkrieg“, erklärt der Intendant der Darß Festspiele, Holger Schulze. „Das Stück spiegelt den Zeitgeist in Pommern wider – das ist einzigartig.“

In der fünften Episode der Geschichte kehrt der vertriebene Krischan (Helge Koch) nach Kummerow zurück. Er will heiraten und sucht Hilfe bei Pastor Breithaupt (Heribert Gietz). Auch die Dorfkinder wollen dem Kuhhirten helfen, das nötige Geld für eine Hochzeit zu besorgen. Doch ihr Vorhaben sorgt für Gerüchte, die den Superintendenten Senftleben (Dirk Möller) auf den Plan rufen.

„Martin Grambauer ist der Anführer und Klassenbester“, beschreibt Bennit seine Rolle. Seine ersten Schauspielerfahrungen sammelte er vor drei Jahren hier in Born. „Am meisten Spaß macht mir die Prügelszene. Da dürfen wir uns im Dreck wälzen“, ergänzt der Mime. Für die Rauferei wurde extra ein Stunt-Trainer engagiert.

Sieben Kinder sind an den Szenen beteiligt – jede Rolle ist doppelt besetzt. „Die Proben mit der Schule zu vereinbaren, war nicht einfach“, gesteht der 13-Jährige. „Ich wurde freigestellt, musste den Stoff aber nachholen.“

Nervosität kennt Bennit nicht. Dabei hilft ihm , dass er als Musiker seit sieben Jahren mit der Trompete bei Konzerten auf der Bühne agiert. Auch die fünf Aufführungen auf Plattdeutsch sind für den kleinen Profi kein Problem: „Ich hatte bis zur vierten Klasse Niederdeutsch in der Schule. Die Wörter, die ich nicht kannte, habe ich mit meinen Großeltern geübt.“ Schwieriger sei es für ihn, zwischen Hochdeutsch und Platt zu wechseln. „Da rutscht mir manchmal ein falsches Wort raus“, räumt Bennit ein.

Ann-Christin Schneider


OSTSEE-ZEITUNG, 03.07.2017

Ab heute sucht Krischan seine Braut

Nach der Absage: Heute inoffizielle Premiere der Darß-Festspiele

Foto: Elke Erdmann
Foto: Elke Erdmann

Born. Nicht „Die verkaufte Braut“ von Smetana sollte am Freitagabend über die urige Freilichtbühne in Born gehen. Intendant und Regisseur Holger Schulze der Darß-Festspielen inszenierte „Krischan und die gekaufte Braut“ nach einer Vorlage von Ehm Welk. Dessen Roman „Die Heiden von Kummerow“ scheint schier unerschöpflich zu sein. Doch die Premiere fiel im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser. Um vor allem die Sicherheit der Darsteller nicht zu gefährden, fiel der Auftakt der diesjährigen Darßfestspiele aus. „Die Premiere war ausverkauft. Leider mussten wir wegen des unaufhörlichen Regens absagen. Aber dennoch kamen zwei Damen, die an der Abendkasse Karten kaufen wollten. So viel Mut muss man erst mal haben bei dem Wetter“, sagte Intendant Holger Schulze.

Und so wird die erste Familienvorstellung heute um 17 Uhr dann die heimliche Premiere, am Mittwoch um 20 Uhr findet dann die nächste Vorstellung statt. Die bereits gekauften Karten behalten ihre Gültigkeit, können für eine andere Vorstellung genutzt oder zurückgegeben werden.

Dabei hatten sich die Darsteller nach der Generalprobe so auf die Premiere gefreut. Es ist ein köstliches realistisches Bild des Dorflebens mit Gesang und tänzerischen Partien, die Stück beleben.

Junge, Junge, da gibt’s ein Donnerwetter bei all der Prügelei, dem Streit mit deftigem Wortwechsel und Saufen der Dorfbewohner mitsamt Pastor Breithaupt. Den mimt Heribert Gietz im vortrefflichen Zusammenspiel mit dem Superintendanten Sanftleben (Dirk Möller). Das Spiel beginnt mit einem Knall aus der Pistole, viel Qualm und Motorengebrumm. Der Superintendent fährt in einer „Ente“ vor, ohne Ankündigung. Er will die Schulkinder examinieren. Dafür mietet er sich im Gasthaus „De Kraug“ ein, wo ihm der Sinn nach Entenbraten und Köm steht. Pastor Breithaupt ist entsetzt. Doch die Schüler sind plietsch, vor allem die beiden Freunde Martin Grambauer (Bennit Schulz, 13) und der Armenhäusler Johannes Bärensprung (Julian Block, 11). Nur der dämliche Hermann, den Henning Michaelis (11) spielt, gibt Anlass zum Hänseln.

Kuhhirte Krischan Klammbüddel, wieder zurück in Kummerow, will sich endlich eine Frau suchen. Eigentlich hat er Luise (Karin Katzke) aus dem Armenhaus lieb und sie ihn. Doch beide sind klamm, ohne einen Groschen. Der Pastor, an dem ein Poet verlorengegangen ist, entpuppt sich als Kuppler. Krischan entscheidet sich so, wie sein Herz schon längst entschieden hat. Die Kinder mit ihrem herzerfrischenden, natürlichen Spiel wollen helfen. Doch wie?

Fröhlich fegen die großen und kleinen Profis über die Bühne. Es ist ein Heidenspaß der Kummerower, die sich nun die Gerechten nennen. Ganz unvoreingenommen mischt Sarah Rauschning (14) als Comtesse Charlotte von Runkelfritz mit und offenbart ihre soziale Ader. „Was man nicht spielen kann, muss man sich anschminken lassen“, meint Dirk Möller. Helge Koch ergänzt: „Ein Lob auf die Maske, Beate Hentschel.“ Sie sagt bekümmert: „Eigentlich schade, dass wir nicht im Sommer spielen!“ Der mag ja noch kommen.

Elke Erdmann


OSTSEE-ZEITUNG, 07.09.2016

„Die Heiden haben noch sehr viel Potenzial“

 

Im Sommerinterview spricht Holger Schulze, Intendant der Darß-Festspiele, über die Arbeit mit jungen Darstellern und die Pflege des Plattdeutschen

Born. 11 000 Besucher verfolgten in diesem Jahr bei den Darß-Festspielen in Born die Geschichte der „Heiden von Kummerow“. Wir unterhielten uns mit dem Festspiel-Intendanten Holger Schulze über Casting, die Arbeit mit sehr jungen Darstellern und die Pflege des Plattdeutschen:

 

Worin liegen eigentlich die Anfänge der „Heiden von Kummerow“ bei den Darß-Festspielen?

 

Holger Schulze: Angefangen haben wir mit den „Darßer Schmugglern“, damals noch in Wieck. Ich wollte unbedingt ein Stück von hier machen. Das haben wir nach dem Umzug nach Born fortgesetzt.

Die „Heiden von Kummerow“ hatte ich schon immer auf dem Schirm, befürchtete aber, dass die logistische Herausforderung zu groß wäre. Als ich mich vor vier Jahren erkundigte, ob das vielleicht doch gehen würde, hatte ich aber sofort eine ungeheure Resonanz.

 

Worin lag die Herausforderung?

 

Schulze: Unter anderem darin, die entsprechende Anzahl von Darstellern für die Kinder-Rollen zu finden. Mit der Freien Schule in Prerow hatten wir aber gleich einen guten Ansprechpartner.

Dass wir so viele Interessenten finden würden, hätte ich nicht gedacht. Alles hat sehr gut geklappt.

 

Was macht Ehm Welk's Heiden-Geschichte aus?

 

Schulze: Es ist eine pommersche Geschichte, pommerscher geht’s nicht. Und sie ist sehr bekannt, auch wegen der Verfilmung in den 60er-Jahren. Das ist natürlich ein Vorteil.

 

2016 war die vierte Saison für die „Heiden von Kummerow“. Wie viel Potenzial hat der Stoff noch?

 

Schulze: Sehr viel Potenzial. Ehm Welk hat sehr viel geschrieben. Mittlerweile sind unsere Heiden ein bisschen eine Marke. Besucher fragen auch schon mal, was als nächstes kommt.

 

Es gibt Vorstellungen in Hochdeutsch und Vorstellungen up Platt. Was schätzen Sie am Niederdeutschen?

 

Schulze: Ich habe Platt immer geliebt. Platt hat eigenes Flair. Ich habe viel mit Petra Schwaan-Nandke zusammen gemacht, die sich ja sehr für das Plattdeutsche engagiert. Dem möchte ich mich gerne auch verschreiben. Eine Herausforderung für uns als Festspiele liegt darin, Platt ,,massentauglich“ zu machen.

 

Wie oft werden die Heiden up Platt aufgeführt?

 

Schulze: Voriges Jahr waren es vier Vorstellungen, alle sehr gut besucht. Dieses Jahr sind es deshalb fünf. Wobei zu diesen Vorstellungen meist Einheimische kommen, weniger die Urlauber. Ich finde das schade, sie würden sehr viel verstehen.

 

Kinder spielen im Stück eine große Rolle. Wie ist das Arbeiten mit ihnen?

 

Schulze: Sehr gut. Kinder lernen ganz schnell. Einige von ihnen konnten auch vorher schon Platt. Was sehr schön ist – dass alle so gut miteinander können. Die Erwachsenen gehen sehr gut auf die Kinder ein.

 

Einige der Kinder sind auch schon über Jahre dabei.

 

Schulze: Für einige sind es schon vier Jahre. Sie haben sich künstlerisch weiterentwickelt. Es ist schön zu erleben, wie sie die Pointen setzen.

 

Wie ist die Resonanz bei den Besuchern?

 

Schulze: Eine sehr gute. Wir haben viele Stamm- Besucher. Manche sagen dann auch schon, wir freuen uns auf das nächste Jahr. Etwa 20 bis 25 Prozent unserer Besucher sind Einheimische, die anderen sind Touristen.

 

Welche Wünsche gibt es im Hinblick auf die Festspiele?

 

Schulze: Ich bin zufrieden mit der Resonanz und wünsche mir, dass es so weiter geht. Man merkt, dass wir in der Region angekommen sind. Was nächstes Jahr neu sein wird und was wir uns sehr gewünscht haben, ist eine neue und bessere Überdachung für den Publikumsraum.

 

Wie groß ist die Rolle der Helfer bei den Darß-Festspielen?

 

Schulze: Groß. Viele helfen mit, ob beim Einlass oder als Techniker.

 

Sie sind selbst Schauspieler, da hat man als Intendant sicher einen besonderen Blick auf die Vorstellung?

 

Schulze: Das ist so, ich bin sehr drin in der Geschichte.

 

Sie haben viele Rollen gespielt, ob Mozart, Jupiter oder Edward den Vierten. Welches ist Ihre persönliche Lieblingsrolle?

 

Schulze: Mozart. Die Rolle habe ich nicht gespielt, die habe ich gelebt. Allein dafür war es richtig, Schauspieler zu werden.

 

Interview von Peter Schlag


OSTSEE-ZEITUNG, 31.08.2016


OSTSEE-ZEITUNG, 27.08.2016

Born Darß-Festspiele steuern auf Besucherrekord zu

Am kommenden Freitag geht in Born die letzte Aufführung der „Heiden von Kummerow 4 – Himmel, Arsch und Zwirn“ über die Bühne


Die neuen Streiche der „Heiden von Kummerow“ lockten mehr als 10000 Zuschauer.

Quelle: Timo Richter

Born. Auf einen Besucherrekord steuern die Darß-Festspiele mit dem Stück „Die Heiden von Kummerow 4 – Himmel, Arsch und Zwirn“ zu. Noch sind die Karten vor allem aus dem Vorverkauf nicht komplett abgerechnet und erst am Freitag kommender Woche ist die letzte Vorstellung dieser Spielzeit zu erleben. Doch Holger Schulze, Vorsitzender des Festspiel-Vereins und Intendant, rechnet mit rund 11000 Zuschauern – trotz einer wettermäßig betrachtet durchwachsenen Saison. Denn gerade während der gästestärksten Zeit war es meistens kühl.

Entgegen der landläufigen Vorstellung, dass zu gutes Wetter die Gäste vom Besuch einer kulturellen Veranstaltung abhalte, weil die Menschen lieber am Strand lägen, war der vergangene Mittwoch trotz der großen Hitze mit 350 Zuschauern einer der am besten besuchten Veranstaltungen, wie Holger Schulze sagt.

Als „Experiment gelungen“ bezeichnet Schulz den Versuch, die Spielzeit bis in den September zu verlängern. Gerade mit Blick auf die Ferienzeiten in Berlin und Brandenburg, von dort kommen die meisten der Gäste, zeigt sich Schulze sehr zufrieden. Und auch die Schauspieler seien begeistert, „die wollen einfach nur spielen“. Eine längere Spielzeit biete auch die Sicherheit eines geregelten Engagements.

Weil die Verlängerung der Spielzeit so erfolgreich war, soll auch im kommenden Jahr erst im September der letzte Vorhang fallen. Wann genau das Ende der Spielzeit ist, darauf möchte sich Schulze jetzt noch nicht festlegen. Mindestens bis zum Ende der Sommerferien Anfang September werde gespielt.

Und: Es wird auch im kommenden Jahr eine weitere Episode aus der umfangreichen Romanvorlage Ehm Welks geben. Spruchreif sei ein Titel aber noch nicht.

Vor allem blickt Holger Schulze für die Spielzeit im kommenden Jahr auf gleich zwei Jubiläen, die angemessen Berücksichtigung im Programm finden sollen: das 15-jährige Bestehen der Darß-Festspiele und die fünfte Geschichte der Heiden von Kummerow.

Natürlich werde die Geschichte weitergeschrieben, sagt der Intendant. Das Umschwenken von den Schmuggler-Episoden auf den Welk-Erfolgsroman sorgte mit dem Umzug der Spielstätte von Wieck nach Born für eine deutlich größere Akzeptanz in der Bevölkerung und – vor allem – für deutlich steigende Zuschauerzahlen.

Dieser Erfolg und die beiden Jubiläen sollen natürlich groß gefeiert werden. Holger Schulze schwebt in diesem Zusammenhang eine oder mehrere Vorstellungen mit einer Auswahl der besten Szenen aus Heiden-von-Kummerow-Geschichten der vergangenen Jahre vor, sozusagen als Jubiläumsparty. Nach der letzten Vorstellung „up platt“ am gestrigen Freitag, findet am Montag die letzte Familienvorstellung statt. Beginn ist um 17 Uhr.

Mit den letzten Hochdeutsch-Vorstellungen am Mittwoch (31. August) und Freitag (2. September), Beginn jeweils um 20 Uhr, endet die diesjährige Spielzeit.

Experiment gelungen

11 000Zuschauer ist die Marke, an der die Darß-Festspiele in diesem Jahr erstmals kratzen werden. Die Verlängerung der Spielzeit zum ersten Mal bis in den September hat sich zur großen Zufriedenheit des Teams ausgezahlt. Auch im kommenden Jahr reicht die Theatersaison auf dem Darß bis in den September.

350Gäste wurden am Mittwoch dieser Woche trotz der großen Hitze gezählt. Während der wettermäßig durchwachsenen Saison waren es meist weniger, die die Vorstellungen sahen.

Timo Richter


OSTSEE-ZEITUNG, 26.08.2016

Foto: Leonie Mauche
Foto: Leonie Mauche

„Himmel, Arsch und Zwirn!“

Heribert Gietz spielt den Pastor in „Die Heiden von Kummerow“ / Das Stück läuft noch bis 2. September in Born


Born „Die Heiden von Kummerow“ ist der Titel des bekanntesten Romans von Schriftsteller Ehm Welk (1884-1966). Bei den Darß-Festspielen auf der Freilichtbühne Born wird in diesem Jahr die Episode „Himmel, Arsch und Zwirn“ aufgeführt.

Kontakt & Infos

Adresse:

Freilichtbühne Born / Darß-Festspiele

Chausseestraße 64

18375 Born auf dem Darß

Kontakt:

☎ 038234 / 50421 (Kurverwaltung)

Vorstellungen:

heute 20.00 Uhr (up platt),

Montag, 29. August, 17.00 Uhr,

31. August und 2. September

jeweils 20.00 Uhr

Tickets:

ab 16 Euro

Kinder (7 bis 13 Jahre) 8 Euro

• Internet:

www.darss-festspiele.de

Die OSTSEE-ZEITUNG sprach mit dem 61-jährigen Schauspieler Heribert Gietz, der im Stück den resoluten und strengen Pastor Breithaupt spielt.

Was ist der Pastor Breithaupt für ein Typ?

Heribert Gietz: Wir spielen ja schon seit vier Jahren in Born – immer eine andere Episode. Und der Pastor hat auch jedesmal einen anderen Charakter. Diesmal ist es eher ein schlagender Pastor, der die Kinder mit dem Rohrstock züchtigt – wie es vor dem Ersten Weltkrieg üblich war. Zu dieser Zeit spielt das Stück. Im Roman gibt es den Kantor Kannegießer und den Pastor. Und hier in Born werden die Charaktere ein bisschen zusammengefasst. Deswegen ist er in manchen Episoden ein sanfter Pastor und diesesmal eben ein züchtigender.

Dann haben Sie persönlich wohl nichts mit der Person gemein.

Gietz: Ich würde sagen: Eher nicht (lacht). Gewalt ist mir ein absolut fremdes Mittel.

Der Pastor ruft im Stück den Satz „Himmel, Arsch und Zwirn“ aus. Was passiert in dieser Szene?

Gietz: Krischan, ein Dorfbewohner, sitzt viel auf seiner Heide herum und malt die ganze Zeit – angeblich seine Kühe. Alle wollen das Bild sehen, aber er will es niemandem zeigen. Er behauptet, ein Maler würde sein Werk erst zeigen, wenn es fertig ist. Der Pastor erwischt dann den Zeichenblock, guckt rein und sieht keine Kühe, sondern einen weiblichen Po. Daraufhin ruft er ,Himmel, Arsch und Zwirn’. Später sieht Adele, eine andere Figur im Stück, das Bild und fragt, ob das ihr Po sei. Und da sagt er den Satz noch einmal.

Im Stück spielen viele Kinder mit. Wie ist die Arbeit mit ihnen?

Gietz: Es macht Spaß mit ihnen. Manche kenne ich schon seit vier Jahren. Die sind von Anfang an dabei gewesen. Man merkt von Jahr zu Jahr, dass sie immer mehr darüber Bescheid wissen, was von ihnen verlangt wird und sie setzen es auch gut um. Frech sind sie manchmal, aber nicht zu sehr. Es kann auch mal anstrengend für die Kinder werden, wenn Szenen bei den Proben öfter wiederholt werden müssen. Das ist für die kleinen Schauspieler dann nicht so einfach.

Sie sind auch bereits im vierten Jahr dabei. Sie kennen also die Halbinsel Fischland-Darß-Zingst?

Gietz: Ich bin in Köln geboren, habe lange im Schwabenland gelebt, die letzten sieben Jahre in Berlin. Born gefällt mir gut. Die Naturerscheinungen hier sind wunderschön. Ich denke da an den Darßwald und den Weststrand. Das Licht auf der Halbinsel fasziniert mich. Ich habe recht viel Zeit hier zwischen den Aufführungen, weil wir nur dreimal die Woche spielen. Und weil ich ohne Auto hier bin, komme ich schlecht weg nach Berlin und bleibe hier. Das finde ich gut. Ich kann mich zwischen den Auftritten richtig fallen lassen.

Interview von Michaela Krohn


OSTSEE-ZEITUNG, 12.07.2016

Jahnkow „Schauspielern ist meine Welt“

Zehnjähriger überzeugt als Schauspieler bei Festspielen


Julian Block aus Jahnkow spielt bei den Darß-Festspielen in Born die Rolle des Hermann.

Quelle: Raik Mielke

Jahnkow. „Das ist mein Leben“, sagt Julian Block und strahlt über das ganze Gesicht. Der Blondschopf aus Jahnkow bei Glewitz hat eine Rolle bei den Darß-Festspielen ergattert und ist derzeit als Hermann in „Die Heiden von Kummerow“ auf der Freilichtbühne Born zu sehen.

 

Dem zehnjährigen Blondschopf wird gleich von mehreren Seiten Talent bescheinigt. „Schon wenn in der Kita ein Programm eingeübt wurde, musste Julian immer ran“, erinnert sich seine Mutter Katharina Block. Schon als Knips habe er gut rezitieren können. Auch Annette Buck, Direktorin der Grundschule Grammendorf, ist stolz auf den Viertklässler. „Das Talent ist bei ihm definitiv da“, sagt sie und erinnert sich, wie Julian bei einem Einschulungsprogramm kurzfristig einsprang. „Obwohl er zwischenzeitlich krank war und nicht alle Proben mitmachen konnte, hatte er den Text sicher drauf. Dazu seine Mimik und Gestik! Er trug da mit einer solchen Leidenschaft vor, dass wir ihm letztlich die Rolle übertragen haben“, erzählt Annette Buck.

Den Sprung auf die Bretter, die die Welt bedeuten, hat er seinem Vater zu verdanken. Er nämlich hörte eines Tages im Radio, dass Kinderdarsteller für die Darß-Festspiele gesucht würden. Katharina Block nutzte die Gelegenheit und fuhr mit ihrem Sohn zum Casting. Das war 2015 im Frühling. „Ich hab dort einen Text bekommen, den ich wenn möglich schon etwas auswendig lernen sollte. Auf jeden Fall musste ich laut vorlesen. Mit Mimik und Gestik“, erzählt Julian. Die Theaterleute waren begeistert. Und doch musste der Jahnkower noch ein Jahr warten, bis er wirklich auf die Bühne durfte.

„Ich war voriges Jahr noch zu jung, aber sie haben gesagt, dass sie mich für 2016 vormerken würden“, sagt Julian. Das taten die Macher der Darß-Festspiele tatsächlich. Anfang diesen Jahres flatterte den Blocks eine Einladung ins Haus für eine Grillparty für die Darsteller der diesjährigen Festspiele. Julian Block hatte es geschafft, er war dabei.

Im Mai begannen die Proben für das Stück „Himmel, Arsch und Zwirn“, dessen Grundlage der bekannte Roman Ehm Welks „Die Heiden von Kummerow“ bildet. Bei den Blocks flimmerte zu der Zeit der Spielfilm mit Paul Dahlke und Ralf Wolter über die Mattscheibe. „Meine Mutter hatte die DVD gekauft und wir haben uns den Film angesehen, sozusagen als Vorbereitung auf das Theaterstück“, erzählt Julian.

Witzig fand er den alten Schwarz-Weiß-Schinken. „Die Kinder machen darin genau solche Späße wie wir auf der Bühne“, sagt er.

Dreimal wöchentlich wurde geprobt. Das hieß, dreimal wöchentlich von Jahnkow nach Born auf dem Darß fahren. Gut 170 Kilometer pro Probentag. Noch intensiver wurde es in der Endprobenwoche. „Da mussten wir jeden Tag hin“, erzählt Julian. Mutter Katharina fuhr ihren Sohn, wann immer es sein musste. „Er macht es gern, hat so viel Spaß daran“, sagt sie. In der Schule reichte sie einen Antrag ein, dass Julian zum Teil von Unterricht befreit wurde. Das wurde nicht nur positiv aufgenommen. Da habe es schon ein paar komische Blicke und Bemerkungen gegeben. Julian zuckt mit den Schultern.

Klar, schön sei das nicht gewesen. „Aber es ist ja auch nicht so, dass ich faul auf dem Sofa herumgelegen hab in der Zeit. Ganz im Gegenteil, eigentlich hab ich sogar mehr gemacht als meine Klassenkameraden“, sagt Julian. Den Stoff habe er schließlich trotz der Proben bewältigen müssen.

Neben der Schule musste der Zehnjährige nicht nur seine Rolle – er spielt den Hermann, ein Kind aus ärmlichen Verhältnissen – lernen sondern auch noch Plattdeutsch. „Wir spielen das Stück nämlich auch auf Platt. Ich hatte Platt zwar schon mal in der Schule und hab es bei Oma und Opa gehört, aber richtig sprechen konnte ich es nicht“, sagt Julian. Doch er fuchste sich ein. Und mittlerweile findet er diese Aufführungen cooler. „Auf platt schimpft es sich leichter als auf hochdeutsch“, sagt er und grinst. „Und die plattdeutschen Aufführungen kommen auch beim Publikum besser an.“

Doch nicht nur das Spielen auf der Bühne findet Julian toll. Auch der Blick hinter die Kulissen habe ihn fasziniert. „Ich wollte schon immer mal dahin, wohin andere nicht hin dürfen“, sagt er und erzählt von den kleinen Tricks, mit denen Theaterleute spielen. Zum Beispiel den, Kuhkacke auf den Kleidern der Kinder täuschend echt darzustellen. „Dazu wurde zum Glück Heilerde verwendet“, erzählt Julian.

In 13 der 20 Szenen ist Julian auf der Bühne zu sehen. Vor der Premiere am 1. Juli war er mächtig aufgeregt. „Mir ist fast das Herz aus der Brust gesprungen“, gibt er zu. Die Zuschauerreihen waren bis auf den letzten Platz besetzt, doch nachdem Julian den ersten Satz gesagt hatte, war die Aufregung nur noch halb so groß und nach der Pause war von Lampenfieber nichts mehr zu merken. „Wir haben Beifall ohne Ende bekommen“, erzählt er stolz. Fünf Vorstellungen hat der Jahnkower bereits gemeistert, weitere neun Mal hat er noch vor sich. Die Schauspielerei sei das Beste, was ihm passieren konnte. „Zu seinem Vater hat er einmal gesagt, ’ich danke dir, dass du das damals im Radio gehört hast“, erzählt Mutter Katharina Block, die bei jedem Auftritt ihres Sohnes in Born auf dem Darß dabei ist. Ob er nächstes Jahr wieder dabei ist? „Auf jeden Fall“, sagt Julian. Sein Berufswunsch? „Schauspieler“, kommt es wie aus der Pistole geschossen.


OSTSEE-ZEITUNG, 04.07.2016

Nur dem Kuhhirten Krischan (Helge Koch) zeigen die Heiden von Kummerow, was sie auf ihre Völkerwanderung mitnehmen: von links Martin (Bennit Schulz), Johannes (Vincent Fiedler), Ulrike (Julienne Holz), Anna (Johanna Zilius) und Hermann (Henning Michaelis)
Nur dem Kuhhirten Krischan (Helge Koch) zeigen die Heiden von Kummerow, was sie auf ihre Völkerwanderung mitnehmen: von links Martin (Bennit Schulz), Johannes (Vincent Fiedler), Ulrike (Julienne Holz), Anna (Johanna Zilius) und Hermann (Henning Michaelis)

Premiere vom Publikum bejubelt

Die „„Heiden von Kummerow““ gastieren wieder in Born. Am Wochenende ist die vierten Folge „„Himmel, Arsch und Zwirn““ zum ersten Mal auf der Freilichtbühne des Boddendorfes aufgeführt worden.

Born. Nun gastieren wieder „Die Heiden von Kummerow“ in Born. Am 1. Juli feierten sie, vom Publikum bejubelt, Premiere mit der vierten Folge „Himmel, Arsch und Zwirn“ auf der Freilichtbühne. Hier ist alles beim Alten und dicht beieinander: „De Kraug“, die Kirche, das Pfarrhaus, die Mühle, doch frisch gedeckt die Rohrdachkate. Auf der Wiese grasen Kühe. In diese Idylle hinein humpelt der trinksüchtige Nachtwächter (Hartmut Dobecki). Und Pastor Breithaupt (Heribert Gietz) hat seine liebe Not mit den liebestollen Heiden, dass er schreit: „Himmel, Arsch und Zwirn!“

Für diese vulgäre Entgleisung entschuldigt er sich sogleich beim Herrgott.

Aufregende Geschehnisse ereignen sich romangleich wie in dem Kapitel „Die Völkerwanderung“, bei der Dorfjungen als Goten über mehrere Dörfer nach Randemünde ziehen, um den erlernten Geschichtsstoff nachzuspielen. Martin Grambauer, Klassenbester und Kirchenjunge, hatte sich den Plan ausgedacht. Er führt das Fußvolk mit einer Trommel an. Schwester Anna (Johanna Zilius) und Pastorentochter Ulrike (Julienne Holz) gehen als Marketenderinnen mit.

„Wir sind sehr nah am Roman“, sagt Holger Schulze. Im Sommer 2003 rief er die Darß-Festspiele ins Leben, denen er bis heute als Intendant und Regisseur vorsteht. Er schrieb auch die Textbücher für „Die Heiden von Kummerow“ nach dem Roman von Ehm Welk (1884-1966). Die tragische Rolle des Kuhhirten Krischan Klammbüdel mimt Helge Koch. Als Angestellter im öffentlichen Dienst stellt er Ausweise und Reisepässe aus; im Stück hütet er seit über zwanzig Jahren von Palmarum bis Michaelis ohne Papiere und ohne einen Groschen Lohn die Kühe der Bauern und Büdner. In diesem Jahr agiert er als Hauptdarsteller. Er spielt vortrefflich in Doppelbesetzung mit 14 auserwählten Schülern. Bindeglied zwischen den Dorfkindern und der feinen Herrschaft ist Komtess Charlotte von Runkelfritz, die Lina Hentschel beispielhaft charakterisiert. Bennit Schulz (12) als Martin kommt extra aus Dömitz an der Elbe, Vincent Fiedler (14) in der Rolle des Johannes aus Richtenberg und Julian Block (10) als Hermann aus Jahnkow bei Grimmen. In der Erstbesetzung gibt Henning Michaelis aus Born schalkhaft und plietsch den Hermann. Die Inszenierung hält viele Überraschungen bereit, entzündet einen Hauch „von den dicken schwarzen Weibern“ in Kammerrun, verkörpert durch Sonja Hahm, die auch im Part mit dem Wirt und Dorfschulzen Gerd Scharmberg kurios erotisch wirkt. Preußisch korrekt handelt Herbert Seidel als Gendarm. Erstmalig treten Mutter und Großvater des Armenhäuslers Johannes auf. Die Mutter spielen alternierend Museumspädagogin Doris Pagel aus Prerow und Karin Katzke aus Born, Kassenleiterin im Amt Darß-Fischland. Spielfreude, der feine Umgang des Regisseurs und Produktionsleiterin Sylvia Karow mit den Darstellern sowie der Einsatz der Eltern lassen alle zusammen halten.

Die Freie Schule in Prerow ist „ein Anker für uns“, sagt Holger Schulze.

Elke Erdmann


Born

Die „Heiden“ bestehen Nagelprobe in Born

Die Darß-Festspiele begeistern auch im kommenden Jahr mit einer neuen Episode aus dem Roman von Ehm Welk.

Das Ensemble sorgte mit der dritten Episode aus dem Roman „Die Heiden von Kummerow“ für viele Lacher beim Publikum.

Das Ensemble sorgte mit der dritten Episode aus dem Roman „Die Heiden von Kummerow“ für viele Lacher beim Publikum.

 

Born. Die „Heiden von Kummerow“ sind auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst angekommen. Die dritte Inszenierung auf Basis des Erfolgsromans von Ehm Welk war für den Intendanten der Darß-Festspiele, Holger Schulze, eine Nagelprobe: hopp oder topp.

Die Besucherzahlen zeigen, dass die Entscheidung des Festspiel-Vereins hin zu den „Heiden von Kummerow“ goldrichtig war. Rund 10000 Besucher werden bis zum Ende der Spielzeit mit Ablauf der kommenden Woche das aktuelle Stück gesehen haben. Das entspricht dem Vorjahresniveau, bei aber sechs weniger Vorstellungen. Die „Heiden“ haben sich nach Einschätzung des Intendanten auf dem Darß

etabliert. In ersten Reaktionen aus dem Publikum werde schon eine weitere Episode aus dem Roman herbeigesehnt. Und auch die professionellen Schauspieler wollen laut Schulze auch im kommenden Jahr wieder auf der Freilichtbühne auf dem Areal der einstigen Oberförsterei Darß in Born stehen.

Ein spruchreifes Konzept hat Holger Schulze für die nächste Spielzeit noch nicht in der Tasche. Nur soviel: Das neue Stück wird sich wieder um die „Heiden von Kummerow“ drehen. 2016 wird die Liebe im Mittelpunkt des Geschehens stehen. Ob wieder mit Gesang oder vielleicht mit Tanz — das steht für den Intendanten noch nicht endgültig fest.

Ein deutliches Indiz, dass die Darß-Festspiele mit den Stücken des Welk-Romans eine „solide Sache“ sind, erkennt Holger Schulze im Anteil der im Vorverkauf abgesetzten Eintrittskarten. Schwankte diese Quote in den vergangenen Jahren um die 15 Prozent-Marke, lag sie in diesem Jahr oberhalb von 50 Prozent. Allein die Einnahmen aus dem Vorverkauf hätten die Kosten gedeckt, sagt der Intendant.

Auf dem Erfolg will sich Holger Schulze aber nicht ausruhen. Geplant ist, im kommenden Jahr eine feste Dachkonstruktion für die Zuschauerränge zu bauen. Pladderregen würde dann nicht mehr die Schauspieler übertönen, ist sich der Chef des Festspielvereins sicher. Nach den Querelen mit einem Anwohner der Bühne in Wieck wollte Schulze 2008 schon entnervt das Handtuch werfen. In Born fanden die Darß-Festspiele nicht nur eine neue Heimat, sondern auch eine überdurchschnittliche Unterstützung.

Am Freitag ist für diese Spielzeit die letzte Aufführung in plattdeutscher Sprache zu erleben. Beginn der schon gut gebuchten Veranstaltung ist um 20 Uhr. Am Montag, dem 24. August, steht ab 17 Uhr die letzte Familienaufführung auf dem Programm. Am Mittwoch und Freitag kommender Woche sind ab jeweils 20 Uhr die letzten Vorführungen in diesem Jahr zu sehen.

Starker Besucherandrang

300Zuschauer haben im Schnitt die Aufführungen des neuen Stücks der Darß-Festspiele in diesem Jahr gesehen.
10 000Gäste werden bis zum Ende der Spielzeit die dritte Geschichte der „Heiden von Kummerow“ erlebt haben. Das ist Vorjahresniveau bei insgesamt sechs weniger Aufführungen.


Born

Die „Heiden“ haben sich auf dem Darß etabliert

Rund 10 000 Besucher werden bis zum Ende der Spielzeit die dritte Episode aus dem Roman „Die Heiden von Kummerow“ gesehen haben. Das entspricht Vorjahresniveau.

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© Michaela Krohn

Born. Die „Heiden von Kummerow“ sind auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst angekommen. Die dritte Inszenierung auf Basis des Erfolgsromans von Ehm Welk war für den Intendanten der Darß-Festspiele, Holger Schulze, eine Nagelprobe: hopp oder topp.

Die Besucherzahlen zeigen, dass die Entscheidung des Festspiel-Vereins hin zu den „Heiden von Kummerow“ goldrichtig war. Rund 10 000 Besucher werden bis zum Ende der Spielzeit mit Ablauf der kommenden Woche das aktuelle Stück auf der Freiluftbühne in Born (Vorpommern-Rügen) gesehen haben. Das entspricht dem Vorjahresniveau, bei aber sechs weniger Vorstellungen.


Teuflisches Blut und frische Glut bei den Darß-Festspielen

Auf der Freilichtbühne in Born wurde die Premiere des neuen Stücks „Himmel, Hölle, Halleluja!“ — Teil drei der „Heiden von Kummerow“ — gefeiert.

Born. Die Abendsonne bescheint die leere Dorfstraße der Freilichtbühne in Born. Plötzlich kommen Gaukler daher, schlagen Rad, jonglieren mit Keulen, schwingen ein Band durch die Luft. Dazu erklingt eine Drehorgel. Endlich was los in Kummerow. Und im Nu eilen die Heiden aus ihren kleinen Hütten herbei. Doch die fröhliche Stimmung wird gestört, weil sich Superintendent Sanftleben zur Inspektion angekündigt hat und Pastor Breithaupt wohlweislich um die Antworten seiner Schützlinge fürchten muss.

Intendant und Regisseur Holger Schulze schrieb das Textbuch für „Die Heiden von Kummerow“ nach dem Roman von Ehm Welk (1884-1966), der durch die Verfilmung mit Theo Lingen in Deutschland die Herzen der Zuschauer bewegte. In diesem Jahr inszenierte Schulze das poetisch-erzählende Werk in der dritten Episode mit „Himmel, Hölle, Halleluja!“. Am Freitagabend wurde die Premiere gefeiert.

Im ersten Stück wurde am Beispiel des Kuhhirten Krischan Klammbüdel (Helge Koch) das gesellschaftliche System in dem idyllischen Dorf entlarvt. Die Kinder beweisen Haltung und Gerechtigkeitssinn. Sie agierten auch in der zweiten Episode „Der Müller muss weg“ mit tragenden Rollen neben Gert Klotzek als böser Müller. Der gibt nun im dritten Teil den näselnden Superintendenten Sanftleben, der mit seinen Fragen an den Armenhäusler Johannes Bärensprung (Vincent Fiedler aus Richtenberg) ins Fettnäpfchen tritt. Der kluge Bursche brüskiert ihn mit seinen Antworten.

Kern der Geschichte ist der Streit des Pastors Breithaupt (Heribert Gietz) mit dem bekennenden Sozi Gottlieb Grambauer (Dirk Möller). Der eine rezitiert Bibelverse, der andere Bebel. „Du bist Sozi und willst die Welt verändern, und ich will die Menschen ändern“, sagt der Pastor in seiner aufreibenden Rolle, die er exzellent spielt. Vor Gram trinkt er oft beim Wirt (Gerd Scharmberg) einen über den Durst. Zum Leidwesen seiner Tochter Ulrike (Julienne Holz), die das liebevoll erträgt.

Frisches Blut kommt mit Michael Jäger (40), der zu Gott erhöht wird, und mit dem Teufel Thomas B. Franz (28) ins Spiel. Im Dialog um die Herrschaft über die Menschheit liefern sie ein musikalisches Duell, das sich durch den zweiten Teil des Stückes zog. „Alles, was du kannst, das kann ich viel besser “ Beide Mimen studierten Tanz, Gesang und Schauspiel an der Stage School in Hamburg; Bari-Tenor Thomas B. Franz zusätzlich an der Stage Art Musical School.

Gott und Teufel hat Holger Schulze frei erfunden. Ihr Auftritt wird überraschend auf „engelhafte Weise“ vorbereitet! — „Das sind Heiden und das werden sie auch bleiben“, sagt Luzifer, der den Kirchturm besetzt hat und lauthals ruft: „Sie machen immer noch das, was ich will.“ Gott antwortet: „Dass ich nicht lache. Schließlich habe ich sie erschaffen.“ Aber der Teufel reißt das Publikum enorm mit. Es macht, was er will. Es singt mit, johlt und klatscht, wenn er sich in Rage spielt. „Siehst Du, sie folgen mir“, ruft er und schaut verschmitzt.

„Ich gehe am liebsten zur Premiere, weil da die Spannung noch so groß ist. Da steigt der Adrenalinspiegel am höchsten“, sagt Sprechstundenschwester Ines Brusch aus Born in der Pause. Verlegerin Angelika Kleinfeldt aus Bentwisch ist begeistert: „Die Kinder spielen profimäßig. Das erwartet man gar nicht.“

Die beiden Nachwuchsschauspieler Bennit Schulz (Martin) aus Dömitz an der Elbe und Vincent Fiedler legen sich auch ins Zeug, wenn es um das Pflügen von Pastors Acker geht, beim Wunderheiler Oll Kucklasch (Hartmut Dobecki) oder beim Eierpicken. „Die Kinder spielen echt, unverfälscht, typbesetzt“, sagt Dirk Möller (Gottlieb Grambauer). „ Viele sind extrem begabt. Sie müssen das nicht. Sie wollen das und machen es mit großer Leidenschaft.“ Holger Schulz leiste zusammen mit Produktionsleiterin Sylvia Karow hervorragende Arbeit.

Die Premiere wurde am Freitagbend mit großem Applaus in der ausverkauften Freilichtbühne in Born gefeiert.


Born

Darß-Festspiele feiern Premiere

 

Born. Premiere am Freitagabend bei den Darß-Festspielen in Born (Vorpommern-Rügen). Intendant und Regisseur Holger Schulze inszenierte die dritte Episode „Himmel, Hölle, Halleluja!“ von dem Stück „Die Heiden von Kummerow“.

„Ich gehe am liebsten zur Premiere, weil da die Spannung noch so groß ist. Da steigt der Adrenalinspiegel am höchsten“, sagt Sprechstundenschwester Ines Brusch aus Born in der Pause. Verlegerin Angelika Kleinfeldt aus Bentwisch ist begeistert: „Die Kinder spielen profimäßig.“

Das Stück wird noch bis zum 26. August auf der Freilichtbühne in Born gezeigt.


OSTSEE-ZEITUNG, 13.06.2015

Born

Proben für Darß-Festspiele laufen auf Hochtouren

Fünftklässler Bennit Schulz fährt drei Mal in der Woche rund 200 Kilometer von Dömitz an der Elbe nach Born , um in dem Stück mitspielen zu können.

In vier Wochen ist Premiere: Die Proben für die Darß-Festspiele in Born laufen auf Hochtouren.

In vier Wochen ist Premiere: Die Proben für die Darß-Festspiele in Born laufen auf Hochtouren.

 

Born. Nur noch vier Wochen bleiben bis zur Premiere des Freiluftstückes der Darß-Festspiele am 10. Juli in Born (Vorpommern-Rügen). Die Proben für das Stück „Himmel, Hölle, Halleluja“, eine Fortsetzung der Geschichte um die „Heiden von Kummerow“ läuft auf Hochtouren.

Rekordhalter unter den Kindern bezüglich des Anreiseweges ist der elfjährige Bennit Schulz aus Dömitz an der Elbe. Seine Mutter chauffiert ihn dreimal pro Woche zu den Proben, eine einfache Tour ist 216 Kilometer lang und dauert fast drei Stunden. „Möglich ist das Ganze aber nur, weil mich meine Klassenlehrerin an den Tagen nach den Vorstellungen vom Unterricht freistellt“, räumte der Junge ein. Während der Schulferien werden die abendlichen Vorstellungen kein Problem für die Dömitzer Familie sein – sie will dann sowieso ihren Urlaub auf dem Borner Campingplatz verbringen.

Intendant, Autor und Regisseur Holger Schulze bedauert allerdings die für ein Freiluftspektakel relativ frühe Spielzeit. „Wegen der Kinder müssen wir pünktlich um 22 Uhr Schluss machen. Weil es dann fast noch hell ist, würden schöne Licht- und Beleuchtungseffekte kaum zur Geltung kommen.“ Von der Beantragung von Ausnahmegenehmigungen für die jungen Darsteller, zumindest für die Ferienzeit, halte ihn der zu erwartende Aufwand ab. Es seien sowieso schon Unmengen von Genehmigungen für die jungen Darsteller eingeholt worden.


OSTSEE-ZEITUNG  13.05.2015

Jungs gesucht für neue Inszenierung

Die Darß-Festspiele werden in dieser Saison eine weitere Episode aus dem Roman „Die Heiden von Kummerow“ von Ehm Welk auf die Freilichtbühne in Born bringen.

Born. Die Darß-Festspiele werden in dieser Saison eine weitere Episode aus dem Roman „Die Heiden von Kummerow“ von Ehm Welk auf die Freilichtbühne in Born bringen. Die Geschichte dreht sich vor allem um den innerdörflichen Streit des Pastors Breithaupt mit Martins Vater. Der Grambauer ist ein bekennender Sozi und gerät immer wieder in Konflikt mit der klerikalen Obrigkeit.

Für die neue Inszenierung „Die Heiden von Kummerow 3 — Himmel, Hölle, Halleluja!“ führen die Festspiele am 20. Mai ab 18 Uhr in im Borner Hof ein Casting für Kinder zwischen neun und zwölf Jahren durch. Gesucht werden ausschließlich Jungen, da die Mädchenrollen bereits vergeben sind. Alle Rollen werden mehrfach besetzt, sodass auch eine Urlaubsplanung der beteiligten Kinder gesichert ist.

Insgesamt werden 24 Vorstellungen gespielt. Für die Kinder gibt es eine Aufwandsentschädigung. Die Fahrtkosten zu Proben und Vorstellungen werden erstattet.

Interessierte Eltern melden sich bitte bis spätestens 18. Mai per E-Mail unter info@darss-festspiele.de mit dem Betreff „Kinder-Casting“. Mit der Bestätigungsmail erhalten sie dann einen kurzen Text, der für das Casting vorbereitet werden sollte. Es wird kein Vorsprechen geben, sondern eine lockere Arbeitsprobe mit den Kindern stattfinden.

Fragen werden auch unter ☎ 038234-55812 beantwortet.


OSTSEE-ZEITUNG  16.01.2015

Dierhagen. „Es ist so wie bei einem großen Treffen mit Freunden. Man kennt sich, hat sich lange nicht gesehen und hat endlich einmal Zeit in angenehmer Atmosphäre füreinander“, sagt Jan Brumshagen, einer der Gäste beim 19. Winterball des Lions-Clubs, der am Sonnabend im Strandhotel Fischland in Dierhagen stattfand. Gemeinsam mit Partnerin Britta Eglesi hat er gerade mit viel Spaß ein Paar-Shooting absolviert. „Die Gäste lassen sich gerne bei so einer Gelegenheit fotografieren. Alle sind gut gelaunt und haben sich schick angezogen“, lächelt Fotograf Siegfried Bergander.

Genau das ist das Ansinnen des Lions-Clubs Ribnitz-Damgarten, der an diesem Abend eingeladen hatte: Die gut 270 Gäste sollen einen netten Abend bei guten Gesprächen verbringen und sich wohl fühlen.

Ganz nebenbei wurde, wie in jedem Jahr, auch noch Geld für einen guten Zweck eingesammelt.

In diesem Jahr wurden dafür die Darß-Festspiele ausgewählt. „Wir benötigen eine stabile Überdachung für die Zuschauer“, erklärt Holger Schulze, Intendant der Darß-Festspiele. So hatte Holger Schulze bei der Eröffnung des Balls die Gelegenheit, sein Festspiel-Projekt kurz vorzustellen und rührte kräftig die Werbetrommel für die Tombola des Abends, deren Einnahmen als Spende für die Anschubfinanzierung der Überdachung gedacht sind.

1000 Lose wurden letztlich verkauft, so dass sich Holger Schulze auf eine beträchtliche Summe freuen kann. „Wie viel es genau ist, werden wir in den kommenden Wochen feststellen, wenn die Abrechnungen des Abends abgeschlossen sind“, so Marc Fiege, Geschäftsführer des Gutes Darß und diesjähriger Präsident des Lions-Clubs. Doch zunächst einmal sollten alle Gäste, die aus Wirtschaft, Politik, Kunst und Kultur gekommen waren, den schönen Abend genießen.

Dass alles reibungslos ablief, dafür sorgte Isolde Heinz, Gastgeberin des Abends. Die Chefin des Strandhotels Fischland hatte ihre Blicke scheinbar überall, war mit schnellen Schritten immer am Brennpunkt des Geschehens und hatte dennoch für jeden ein freundliches Lächeln oder mal einen lieben, aber festen Händedruck. „Für unser Hotel sind solche Abende sehr wichtig. Hier trifft sich die Region. Das ist ja eher selten an so einem Ort, der überwiegend von Urlaubern angesteuert wird“, erklärt Isolde Heinz, die mit 60 Mitarbeitern für das Wohl ihrer Gäste sorgte.

Und wer angesichts des guten Essens (unter anderem Consommé double vom Darßer Rind) Sorge um seine Figur hatte, der konnte bei guter Musik im Foyer des Hauses tanzen. Jaqueline Bourlanger und Band waren für die musikalische Begleitung des Abends zuständig.

Gegen Mitternacht überraschte die Crew des Strandhotels ihre Gäste mit einer Riesen-Eistorte, die noch einmal für einen Ansturm auf die Dessert-Bar sorgte.

Dann der Höhepunkt, die Auslosung der sechs Hauptpreise. Der Stich von Jo Jastram, wohl neben dem Wellness-Wochenende das Highlight unter den Preisen, ging nach Kühlungsborn: Gertrud Becker war auf Einladung von Stefan Schmidt aus Dettmannsdorf zum Winterball nach Dierhagen gekommen. „Meine Frau Karin und ich waren enge Freunde von Jo Jastram und so freut es uns sehr, dass der Stich an Frau Becker geht“, erzählt der Unternehmer Schmidt. Klingt wie ein kleines Happy End des Abends.


Darß-Festspiele knacken den Rekord

In diesem Jahr kamen bis jetzt bereits mehr als 10 000 Besucher.

Holger Schulze blickt beruhigt in die Zukunft. Das Stück „Die Heiden von Kummerow 2 - Der Müller muss weg“ war ein voller Erfolg.

Holger Schulze blickt beruhigt in die Zukunft. Das Stück „Die Heiden von Kummerow 2 - Der Müller muss weg“ war ein voller Erfolg.

 
 
© Timo Richter

Born. Mit gut 10 000 Besuchern haben die Darß-Festspiele 2014 den Vorjahreserfolg eingestellt. An den Erfolg der diesjährigen Spielzeit wollen die Darß-Festspiele auch 2015 anknüpfen.

Dann dürfen sich die Freunde von Freilicht-Theater auf ein Wiedersehen mit den „Heiden von Kummerow“ freuen: Himmel, Hölle, Halleluja heißt die dritte Folge aus der Romanvorlage von Ehm Welk. Den Grund für den guten Zuspruch sieht der Vorsitzende des Festspielvereins und Intendant der Aufführungen, Holger Schulze, nicht allein in gutem Wetter.

„Wir sind professioneller geworden“, sagt der Schauspieler. Sämtliche erwachsenen Mitwirkenden verdienten in der Branche ihre Brötchen. Und dann die Kinder: „Man konnte deutlich merken, dass die ihre 2013 gemachten Erfahrungen während des Winters hervorragend verarbeitet haben“, betont er.

Holger Schulze hat mit der Entscheidung für eine weitere Episode aus dem Werk Ehm Welks den Geschmack der Theaterfreunde genau getroffen. Zu tiefgründig dürfen die Stücke nicht sein. Der „Raub der Sabinerinnen“ im Jahr 2010 mit vergleichsweise geringen Zuschauerzahlen bestätigen Holger Schulze. Die Entscheidung, auch 2015 wieder mit einem Stück aus dem schier unerschöpflichen Fundus komischer Begebenheiten in den „Heiden von Kummerow“ an den Start zu gehen, fiel nicht schwer. Im kommenden Jahr schickt Holger Schulze den Vater Grambauer, im Welk‘schen Werk „eine Art Sozi“, in den Kampf gegen den Pastor. „Das wird sehr heiter werden“, ist der Schauspielchef überzeugt. Es würden aber auch ernstere Hintergedanken anklingen. Angefangen, die Texte für die Aufführung der Darß-Festspiele zu schreiben, hat Holger Schulze schon längst.

Dass es dann wieder derb zur Sache gehen wird, das ist sicher. Denn gerade diese Rohheit, gepaart mit einer kräftigen Portion Bauernschläue, kommt beim Publikum gut an, wie Holger Schulze sagt. Der Charakter des ursprünglich in Vorpommern angesiedelten Stückes passe auch ganz gut auf Land und Leute in dieser Region.

Geradezu überwältigt zeigt sich Holger Schulze vom Vorverkauf. In diesem Jahr wurden so deutlich mehr Karten verkauft als an der Abendkasse. Und: Selbst an Abenden mit dunklen Wolken saßen regelmäßig an die 300 Zuschauer auf den Bänken.

Letzte Aufführungen des Stücks „Die Heiden von Kummerow 2 — Der Müller muss weg“ finden heute und am Freitag statt. Beginn: 20 Uhr. Karten unter ☎ 030/2 01



Festspiele führen „Heiden von Kummerow“ 2015 fort

Dank der Romanvorlage von Ehm Welks reiten die Darß-Festspiele in Born (Vorpommern-Rügen) auf einer Erfolgswelle. Es wurde wieder die Marke von 10 000 Besuchern geknackt.


Holger Schulze blickt beruhigt in die Zukunft. Das Stück „Die Heiden von Kummerow 2 - Der Müller muss weg“ war ein voller Erfolg. Daran will der Intendant der Darß-Festspiel auch 2015 anknüpfen.

Holger Schulze blickt beruhigt in die Zukunft. Das Stück „Die Heiden von Kummerow 2 - Der Müller muss weg“ war ein voller Erfolg. Daran will der Intendant der Darß-Festspiel auch 2015 anknüpfen.

 
 
© Timo Richter

Born. Weil's so schön war, gibt es im kommenden Jahr die dritte Spielzeit mit Episoden aus den „Heiden von Kummerow“. Die Romanvorlage Ehm Welks entpuppt sich für die Darß-Festspiele als Glücksgriff: Zum zweiten Mal in Folge wurde die Marke von 10 000 Besuchern geknackt. Die derben Späße kommen beim Publikum so gut an, dass Festspiel-Intendant Holger Schulze auch im kommenden Jahr neue Episoden auf die Borner Freilichtbühne bringen wird. Dann schickt er unter dem Titel „Himmel, Hölle, Halleluja“ Vater Grambauer und den Pastor in vergnügliche Auseinandersetzungen.

Dass in diesem Jahr trotz teilweise wenig theaterfreundlichen Wetters so viele Besucher kamen, macht Holger Schulze auch an der Professionalität der Mitwirkenden fest. Am Freitag ist die letzte Vorstellung der Darß-Festspiele in diesem Jahr zu erleben.


Darß-Festspiele: Borner Heiden umjubelt

Vor allem die Kinder eroberten bei der Premiere auf der Freilichtbühne die Herzen der rund 500 Zuschauer.


Born. „Deutschland hat 1:0 gegen Frankreich gewonnen. So gut spielen werden wir bestimmt“, begrüßte Intendant Holger Schulze die 500 Zuschauer zur Premiere der „Heiden von Kummerow“ am Freitagabend in Born. Für die Fußballfans unter den Gästen war extra 20 Minuten später mit der Aufführung begonnen worden.

Diesmal warteten die Darß-Festspiele mit der Episode „Der Müller muss weg!“ auf. Grundlage der Inszenierung ist der berühmte Roman von Ehm Welk. Die Geschichte dreht sich vor allem um den bösartigen Müller Düker (Gert Klotzek), der Mensch und Vieh drangsaliert. Der muss weg, darin sind sich die Dorfbewohner einig.

Er besitzt die Mühle, Pferde und Wagen und lässt den Friesen und den Schimmel vom Kutscher (John Kafka) über die eigens für das Stück angelegte Straße galoppieren. Dort spielen auch die Kinder mit ihren Taschenmessern „Blanksiet“ und „Schietsiet“ und gehen mitunter kreischend aufeinander los.

In der idealen Premierenbesetzung werden die sozialen Unterschiede sichtbar. Vincent Fiedler, der den weiten Weg zum Spielort immer aus Richtenberg antritt, spielt beispielsweise den Armenhäusler Johannes. Den Kontrast dazu bietet die kleine, vornehme Gräfin Komtesse Charlotte, gespielt von Lina Marie Hentschel aus Pruchten. Sie verblüfft die Dorfkinder mit ihrem Plattdeutsch.

Der Kuhhirte Krischan — verkörpert von Helge Koch, der seit Kindesbeinen mit Leidenschaft auf der Bühne agiert — klärt die Kinder darüber auf, woher das Spiel „Metza, Metza, blanke Siet“ eigentlich kommt. „Im Grunde geht es doch darum, mit Geschicklichkeit und List zu verhindern, auf die ‘Schietseite‘ des Lebens zu kommen“, sagt er zu den Lütten.

Die Dorfkinder hecken allerlei Späße aus, um den Müller zu vertreiben. Die Gesten stimmen, die Pointen sitzen. Ein amüsantes Miteinander liefern auch volltrunken Sonja Hahm in der Rolle von Adele Kienbaum und Petra Schwaan- Nandke als Auguste Grambauer, die den gleichfalls betrunkenen Pastor Breithaupt (Heribert Gietz) vor seinem Haus von der Schubkarre kippt. Sehr zum Entsetzen von Tochter Ulrike, die Aileen Rust aus Barth gekonnt mimt.

Hat der Borner John Kafka vom Reiterhof als Kutscher die Zügel fest in der Hand, so laufen alle Fäden bei der geborenen Berlinerin Sylvia Karow zusammen. Die Produktionsleiterin stellt sich zum dritten Mal in Folge den Herausforderungen der Darß-Festspiele, die Holger Schulze 2003 ins Leben rief und nun mit Hilfe des Borner Bürgermeisters Gerd Scharmberg fest verankert sieht. Der spielt im Stück den Dorfschulze und Krugwirt von Kummerow, und ist in der Rolle stets angesäuselt.

Für zusätzliche Stimmung und dafür, dass es zur rechten Zeit richtig kracht, sorgte bei der Premiere der vielseitig begabte Tontechniker Holger Weise.

Bei den Heiden von Kummerow geht es bannig humorig zu und das mit wechselnden Kinderschauspielern während der Saison. Da lohnt es sich, auch die folgenden Aufführungen zu besuchen — auf Hochdeutsch oder „up Platt“.


OSTSEE-ZEITUNG
Born; 03.07.2014

Darß-Festspiele: Premiere später wegen WM

Morgen werden die „Heiden von Kummerow “ in Born gezeigt.

Born. Auch Fußballfans können morgen bei der Premiere der Darß-Festspiele dabei sein. Das Stück „Die Heiden von Kummerow — Der Müller muss weg“ wird aufgrund des Deutschlandspiels bei der WM in Brasilien 20 Minuten später aufgeführt als geplant. Das teilte Intendant Holger Schulze gestern mit. Die Kasse bleibe für Zuspätkommer wegen eines eventuellen Elfmeterschießens auch danach weiter geöffnet.

Insgesamt wird es in diesem Jahr 28 Aufführungen des Stückes während der Darß-Festspiele auf der Borner Freilichtbühne geben — in Plattdeutsch sowie in Hochdeutsch. Zudem gibt es auf der Bühne auch Kabarett, Konzert und Kinderprogramm im Juli und August.

Wegen des großen Erfolges im vergangenen Jahr, wird auch 2014 eine Episode der „Heiden von Kummerow“ geben. Grundlage der Inszenierung ist wieder der gleichnamige Roman von Ehm Welk. Das Stück beschreibt das Leben im Pommern der Vorkriegsjahre auf äußerst komödiantische Art und Weise — ein Spaß für Kinder und Erwachsene. Deshalb werden auch wieder Familien-Vorstellungen um 17 Uhr angeboten.

Die Geschichte dreht sich vor allem um den bösartigen Müller, der Mensch und Vieh quält. Die „Heiden" von Kummerow, also die Kinder des Dorfes, wollen ihm einen Denkzettel verpassen oder am liebsten aus Kummerow vertreiben.

Darß-Festspiele: Premiere am 4. Juli um 20.20 Uhr, Freilichtbühne in Born, Chausseestraße 64.

 




OSTSEE-ZEITUNG, 20.02.2014

Darß-Festspiele doch noch gerettet!

Die Landesregierung wollte der Kulturveranstaltungsreihe die Förderung streichen. Erst nach einem Aufschrei in der Region lenkte das Brodkorb-Ministerium ein.

Born. Haarscharf am Aus sind die Darß-Festspiele vorbeigeschrammt. Die Landesregierung hatte den Theatermachern die jährliche Finanzspritze versagt. Für den Vereinsvorsitzenden und Intendanten Holger Schulze hätte das das wahrscheinliche Aus für die beliebten Festspiele bedeutet. Er startete kurzerhand eine Online-Petition für die Fortsetzung der Förderung.

Binnen kurzer Zeit fanden sich hunderte Unterstützer der Forderung. Auch die Kreisverwaltung Nordvorpommern-Rügen warb für die weitere Förderung durch das Land. Nicht zuletzt sprang die Kommune Born auf dem Darß für die Theatermacher in die Bresche.

In seinem Schreiben ans Brodkorb-Ministerium verwies Bürgermeister Gerd Scharmberg (Bürger für Born) auf die Investitionen seitens der Kommune für den Festspielverein. So wurden Geld und Arbeitskraft mobilisiert, um hinter der einstigen Oberförsterei Darß eine Spielstätte für den Festspielverein zu schaffen.

Die Darß-Festspiele begeistern inzwischen in der elften Spielzeit. In diesem Jahr werden weitere Episoden aus der Saga „Die Heiden von Kummerow“ gezeigt. Dafür werden auch mitspielende Kinder gesucht.

Am Samstag, dem 1. März, findet von 10 bis 14.30 Uhr ein Kinder-Casting im Borner Hof statt.


Heidenspaß mit Heiden von Kummerow

Heiden von Kummerow: Gelungene Premiere

Premiere am Freitag in Born gefeiert. Herzerfrischende Kinderschar umjubelt.

Born. Die Abendsonne scheint. Gänse schnattern laut. Kühe und Kälber weiden. Große Milchkannen stehen in der Wiese. Vor dieser idyllischen Kulisse feiern am Freitag „Die Heiden von Kummerow“ Premiere in Born. Das Publikum ist so aufgeregt wie die Kinder. Alle Bänke sind voll besetzt.

„Dadurch, dass so viele Kinder mitspielen, kommt auch die Verwandtschaft“, sagt Techniker Holger Weise. Er legt Musik auf, die an den gleichnamigen Film denken lässt. Das Theater beginnt. Pastor Breithaupt (Heribert Gietz) tritt aus seinem Haus heraus, freut sich über den Frühlingstag, der den jungen Saft in die alten Bäume am Mühlbach gejagt hat, und lässt seine Gänse aus dem Stall, die er wohlwollend betrachtet. Es ist der letzte Schultag vor den Osterferien. Wie eine Schar Spatzen fliegen die Schüler hinaus. Sie zieht es an den Mühlbach zum Heiden-Döpen, ein alter Brauch. Es ist der erste Tag, an dem man barfuß läuft.

„Wer es am längsten aushielt, im kalten Wasser stillzustehen, wurde König und konnte sich unter den Mädchen, die mit Kränzen aus Sumpfdotterblumen am Ufer standen, eine Königin wählen.“ Doch schon donnert des Pastors Stimme. „Martin Grambauer!“ Ihn hält er zurück. „Du bist von jetzt an Erster, höre ich.“ Während die Dorfjungen mit aufgekrempelten Hosen schon im Wasser bibbern, erwartet der Pastor von Martin, das er dem Mühlbach fernbleibt, auch die anderen davon fernhält und alle meldet, die dem Verbot zuwiderhandeln. Den mimt zur Premiere hervorragend Thorben Walz (11) aus Ribnitz.

Gelangweilt hört er sich die Predigt an und entfaltet feinsinnige Gedanken, die den Pastor in Rage und die Zuschauer zum Lachen bringen.

Martin ist die Hauptfigur im Stück wie der alte taprige und schmuddlige Kuhhirte Krischan Klammbüdel (Helge Koch), der rechtzeitig zum Wettstehen auftaucht. Er wird von den Dorfkindern geliebt, aber auch hellhörig ausgefragt und beäugt. Pfarrers Tochter Ulrike (Aileen Rust aus Barth), führt klug und gewandt die Dorfjugend an.

Mit viel Witz und Humor bewegen sich zehn Kinder plattdeutsch geschult und herzerfrischend auf der Bühne wie im Leben. Frisuren und Kleider geben den Mädchen einen besonderen Zauber. Gemeinsam bringen sie Schwung in das Stück und zeigen trotz ihrer Streiche den unverdorbenen Sinn, wenn es um Gerechtigkeit geht, anders die Erwachsenen wie der süffelnde Wirt und Dorfschulze (Gerd Scharmberg), der wegen eigener Amtsunterlassung den Kirschan mit Hilfe des Pfarrers abschieben will. Doch da gibt es noch die Obrigkeit, Gendarm Niemeier (Herbert Seidel).

Vergnügliche Szenen und derbe Wortgefechte liefern Petra Schwaan-Nandke als Auguste Grambauer und Sonja Hahm in der Rolle von Adele Kienbaum. Mit tosendem Beifall, Bravorufen und Pfeifkonzerten bejubelte das Publikum die Schauspieler. Am Ende holte Anna Grambauer (Julienne Holz aus Pruchten) Holger Schulze auf die Bühne. Der Intendant der Darß-Festspiele hat den Roman von Ehm Welk für die Freilichtbühne Born als „Die Heiden von Kummerow und ihre lustigen Streiche“ bearbeitet. Mit dem Stück gelingt ihm ein Meisterwerk der Zusammenarbeit zwischen Schauspielern, Kindern, Eltern und Obrigkeiten.


Born — Ein waschechtes Pommern-Stück feiert heute auf dem Darß Premiere. Um 20 Uhr gibt es auf der Borner Freilichtbühne die Bühnenfassung von Ehm Welks „Die Heiden von Kummerow und ihre lustigen Streiche“ auf Plattdeutsch zu sehen. Die OZ sprach vorab mit Intendant Holger Schulze (56) über die Lokalprominenz und talentierte Kinder auf dem Darß.

 

OSTSEE-ZEITUNG: Nach den Darßer Schmugglern und anderen Stücken haben Sie sich im Jubiläumsjahr „Die Heiden von Kummerow“ vorgenommen. Warum?

Holger Schulze: Das wollte ich eigentlich schon lange machen, weil es einfach eine Geschichte aus Pommern ist. Ehm Welks Werk ist in der Region zu Hause und gehört für mich zur Weltliteratur.

Bislang haben wir uns aber immer schwer damit getan, weil man für das Stück viele Kinder braucht und das schwer zu bewerkstelligen ist.

OZ: Es scheint aber geklappt zu haben...

Schulze: Ich muss sagen, das war eine logistische Meisterleistung. Insgesamt sind 14 Kinder beteiligt, die sich unter anderem sechs Hauptrollen teilen. Wir brauchten die Zustimmung der Eltern, der Schule, vom Arzt usw. Das war ein großer Aufwand. Aber es hat sich gelohnt. Schon beim Casting war ich total überrascht, wie viele Talente es gibt. Und die Kinder, die mitspielen, haben sich im Laufe der Proben toll entwickelt. Fast alle sind von der Freien Schule Prerow, die uns eine super Zusammenarbeit ermöglicht hat.

OZ: Da passt es ja eigentlich ganz gut, dass es sich bei dem Welk-Werk auch um ein Schulbuch handelt, oder?

Schulze: Das Bedauerliche ist, dass es in den Schulen wohl nicht mehr behandelt wird. Viele Kinder kannten das Buch nicht oder wenn doch, dann von zu Hause oder durch den Film. Das finde ich schade.

OZ: Bei der Rollenbesetzung soll es ja auch Lokalprominenz geben. Der Borner Bürgermeister spielt sich selbst?

Schulze: Ja, Gerd Scharmberg wird bei vielen Vorstellungen den Dorfschulzen geben, wir dachten, es wäre witzig, wenn er sich dieses Mal selbst spielt. Und er snackt ja auch ganz hervorragend Platt. Vor einigen Jahren war er ja schon mal dabei. Lustig ist auch die Besetzung unseres Hauptdarstellers Helge Koch. Er arbeitet bei uns im Einwohnermeldeamt, wird aber in der Rolle des Vertriebenen Krischan zu sehen sein. Er spielt den, der selbst Opfer der Behörden wird und keinen Ausweis bekommt. Außerdem werden bei dem Stück Gänse auf der Bühne herumlaufen, die dafür vorab trainiert werden mussten.

OZ: Im vergangenen Jahr gab es einen Besucherrekord. Wie viele Vorstellungen sind im Jubliäumsjahr geplant?

Schulze: Es stimmt, das vergangene Jahr war mit 2009 von den Besuchern her das Beste. Da hatten wir zwischen 8000 und 10 000 Zuschauer. In diesem Jahr sind die Ferienzeiten allerdings ungünstig, viele Bundesländer haben gleichzeitig Ferien, so dass wir die Saison früher beenden und insgesamt auf 25 Vorstellungen plus Konzerte und Kabarett kommen. Es gab Jahre, da sind wir 40 Mal aufgetreten.

OZ: Wird heute Abend das zehnjährige Bestehen ordentlich gefeiert?

Schulze: Nach der Premiere feiern wir unser rundes Jubiläum natürlich. Peter Eidam wird Musik machen und wir werden die neue Gastronomie ausprobieren.

Erstmals auch Familienvorstellungen
Die Geschichte der „Heiden von Kummerow“:

 

Das Stück beschreibt das Leben im Pommern der Vorkriegsjahre auf äußerst komödiantische Weise. Besonders die Kinder (die Heiden) zeigen so manchen Missstand in der Welt der Erwachsenen auf.

Allen voran der zehnjährige Bauernsohn Martin Grambauer. Pastor und Lehrer bemühen sich, ihn und seine Freunde zu gottesfürchtigen Bürgern zu erziehen, doch alte heidnische Bräuche sind der Dorfjugend — und deren Eltern — wichtiger als wilhelminischer Geist.

Familienvorstellungen im Juli:

8. Juli, 15. Juli und 29. Juli jeweils um 17 Uhr

Up Platt:

14. Juli um 15 Uhr, 22. Juli um 17 Uhr

Hochdeutsch:

10. Juli, 12. Juli, 17.Juli, 19. Juli, 24. Juli, 26. Juli und 31. Juli um jeweils 20 Uhr

 

Konzerte und Kabarett:

 

21. Juli um 17 Uhr Gerhard Schöne, Kinder- und Familienkonzert,

25. Juli um 20 Uhr Leipziger Pfeffermühle   Kabarett


Premiere: Scharmberg als Dorfschulze

Mit diesem Stück auf der Naturbühne starten die Darß-Festspiele in die neue Saison.

Darß-Festspiele bringen Ehm Welk auf die Bühne

Die „Heiden von Kummerow“ sollen Anfang Juli in Born (Kreis Vorpommern-Rügen) ihre Premiere feiern.

Born. In diesem Jahr feiern die Darß-Festspiele ihr zehnjähriges Bestehen. Mit einer Adaption von „Die Heiden von Kummerow und ihre lustigen Streiche“ wollen die Akteure in mehrfacher Hinsicht ein neues Niveau erklimmen. Die Romanvorlage von Ehm Welk hat für den Chef des Festspielvereins, Holger Schulze, ein höheres literarisches Niveau als die früheren von Lokalkolorit geprägten Schmuggler-Geschichten.

Erstmals stehen in diesem Jahr auch Kinder auf der Bühne. Damit Jugendschutzrichtlinien eingehalten werden, fangen die Stücke in diesem Jahr früher als gewohnt an.

Premiere ist am 7. Juli. Aufgrund des hohen logistischen Aufwands wird das Rahmenprogramm abgespeckt.

Als Experiment wertet Holger Schulze die neue Reihe „Märchen im Kleinformat“. Jeweils als Zweipersonenstücke werden die Märchen Dornröschen sowie Hase und Igel im Darßer Sommertheater gezeigt.